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![]() Landgang: Tino Ellegast durchläuft ein Trainee-Programm bei einem Schweizer Unternehmen in Uzwil - und segelt so oft er kann |
Gespräche mit Andreas John, ehemals Sportdirektor der deutschen America's-Cup-Kampagne mit Skipper Jesper Bank an der Spitze, fanden statt. Vorstellungsgespräche. „Der Vertrag wäre über drei Jahre gelaufen", erinnert sich Ellegast, „doch ich hätte nicht gewusst, ob ich ins A- oder ins B-Team gekommen wäre." Schließlich musste er für sich persönlich feststellen: „Nein, das bringt mich nicht weiter." Zumal die Diplomarbeit an der FH Konstanz anstand: „Die wollte ich nicht verschieben." Stichwort Vernunft. Also sagte er beim United Team Internet Germany ab und ist weiterhin mit seinem eigenen Team auf den Weltmeeren unterwegs.
Mit großem Erfolg: Im Dezember 2004 wurde Tino Ellegast mit seiner Crew Südamerikanischer Meister im Match Race, ein Jahr später reichte es Tino Ellegast über seinen Amateurstatus immerhin noch zum zweiten Platz. „Das war schon ganz schön frustrierend für die Cracks aus Brasilien und Argentinien, dass sie von einem Amateur-Team aus Deutschland geschlagen wurden." Seinem Team gehören Schwester Petra, Arne Gülzow aus Konstanz, Richard Volz aus Meersburg und Holger Lehning aus Kiel an. Und obwohl sie vor Langenargen das Viertelfinale verpasst haben, war ihr Auftritt ein Erfolg. Ihre zwei Einzelsiege holten sie gegen die Vollprofis Björn Hansen und Hestbaek. „Unser Ausscheiden ist kein Beinbruch", sagt er, „es war schön, mal wieder dabei gewesen zu sein."
Im laufenden Jahr reihen sich erneut Erfolge an Erfolge: Ellegast gewann das Elba Match Race und wurde Zweiter beim Hardt Match Race in Österreich. Und trotz aller Erfolge kommt er nicht vom Kurs des Amateurdaseins ab. „Solange es so ganz gut läuft, sehe ich auch keine Veranlassung, meine Meinung zu ändern." Sollte morgen ein Unternehmen anrufen und ihm eine Stelle als Skipper beim America's Cup anbieten - nur dann würde er schwach werden: „Das wäre natürlich eine andere Geschichte", sagt Ellegast und lächelt: „Doch das passiert leider nicht so oft." Derzeit absolviert Ellegast ein Trainee-Programm bei einem Schweizer Unternehmen in Uzwil, an dessen Ende die Position des Projektleiters stehen soll. Stichwort Vernunft.
Nach wie vor wohnt Tino Ellegast in Konstanz. Dort, wo er beim Schüler-Segel-Club das Segeln erlernt hat. „Ich kann mir zwar vorstellen, irgendwann einmal woanders zu wohnen", erzählt er, „doch ich hänge an Konstanz und sehen keinen Grund wegzuziehen." Der Mann hat gut reden: Sein Hobby führt ihn an die schönsten Plätze der Welt - Brasilien, Argentinien, Südafrika und, und, und. Die Kehrseite der Medaille: Möchte Ellegast weiterhin als Amateur die Profiwelt durcheinander wirbeln, muss er seine Freizeit und nicht zuletzt sein Geld dem Segelsport opfern. Neulich, beim Match Race vor Elba, führ er zusammen mit seiner Crew am Freitag nach der Arbeit zehn Stunden mit Auto und Fähre auf die italienische Insel. Samstag wurde gesegelt, Sonntagmittag ebenfalls, bevor am Abend die lange Rückfahrt wartete. Montagfrüh ging's zurück zur Arbeit. „So ein Programm ist schon ziemlich hart", so Ellegast.
Man kann sich nur vorstellen, was möglich wäre, würde sich der Mann noch mehr dem Segeln widmen. Wenn im Winter die Temperaturen fallen, begibt sich Tino Ellegast ebenfalls aufs Wasser - auf das in der Luft zu Schnee gefrorene. „Wann immer es geht, gehen wir Ski fahren", sagt er, „aber leider geht es nicht so oft."
bild: schall
ANDREAS SCHULER